Gut gebrüllt, Löwe!

 

Zur Sache, Schätzchen:

Die zweite bundesweite Ensembleversammlung ist in Potsdam mit viel Engagement, Begeisterung und inhaltlicher Auseinandersetzung – und mit insgesamt 250 Teilnehmern –  über die Bühne gegangen. Neue Ideen, Konzepte und Visionen wurden entwickelt und formuliert, und die anwesenden Gesprächspartner von Bühnenverein, Intendantengruppe, GDBA, Verdi, ZAV und aus der Politik waren beeindruckt von der Leidenschaft und Überzeugung, mit der die Netzwerker sich für die Zukunft der Theater einsetzen. Für eine Zukunft mit besseren Arbeitsbedingungen für alle, nicht nur für einige wenige! Dafür braucht es Veränderungen an den Häusern, das war allgemeiner Tenor – aber es braucht auch eine bessere finanzielle Absicherung der Häuser, wofür man durchaus auch den Bund in die Verantwortung nehmen sollte. Der Bühnenverein hat im Anschluß getagt und die Forderungen von Ensemble-Netzwerk und den Mitstreitern von art but fair aufgegriffen: Mehr Geld für die Theater!

One Thought on “Gut gebrüllt, Löwe!

  1. Sebastian Schoberansky on Donnerstag, 7. September 2017 at 11:36 said:

    Seit Jahren hören wir in unserer Beratungs- und Schulungspraxis durch Betriebs- und Personalräte von Kultureinrichtungen die vom Ensemble-Netzwerk beschriebenen Probleme. Nach unserer Beobachtung ist der Hauptgrund für das beschriebene ständige Lamentieren (in Kantine, Garderobe oder Betriebsratsbüro) und dann doch nichts tun neben der durchgängigen (und leider meist begründeten) Angst vor Benachteiligung durch allmächtige Intendanten, Geschäftsführer und Abteilungsleiter auch ein tiefverankertes Set an gut gelernten tradierten Überzeugungen und Glaubenssätzen darüber, wie Kunst geht.

    „SO kann nur Kunst entstehen“, „DAS geht am Theater halt nicht“ oder „Wir hier sind halt anders“ führen bei Betriebsräten und Künstlern schon intrapersonal zu oftmals unüberwindbaren Konflikten, so dass die konsequente Bearbeitung der von allen gleich beobachteten und bewerteten Problemfelder zugunsten eines resignativen „So ist das halt am Theater“ nicht erfolgt.

    Auch in den Videos vom Netzwerktreffen im Mai wird das deutlich, denn einerseits will man grundlegende Veränderungen, quasi eine Theaterrevolution, aber andererseits fehlt erkennbar der Wille zur harten Konsequenz und man will auch nicht zu hart mit der GDBA umgehen. Hier bedarf es unbedingt einer strengen Selbstbefragung aller Beteiligten, was denn der EIGENE Beitrag zum Fortbestehen des beklagten Problems ist. Es hilft nicht viel, äußere Hindernisse wie die GDBA, den Bühnenverein, die Alleinherrscher, die Kulturpolitik usw. zu identifizieren und auf die Rettung durch neue frische Gewerkschaften oder Bewegungen zu hoffen, wenn die eigenen Hemmnisse nicht erkannt und zumindest temporär überwunden werden. Ja, dabei kann es zum punktuellen Verstoß gegen eigene Überzeugungen und Gruppenregeln kommen. Aber diese Veränderungsarbeit ist immer noch leichter, als einen anderen (Bühnenverein, GDBA, Kulturpolitiker,…) gegen seinen Willen dazu zu bringen, einem selbst zuliebe das Gewünschte zu tun.

    Auffällig war auch die Fokussierung auf die tarifliche Ebene. Die Gewerkschaften sollten in ihrem Regelwerken nun endlich die Missstände abstellen. Dabei gibt es schon jetzt wirksame Mittel, um die Situation drastisch insbesondere bei der Arbeitszeit zu verbessern. Die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats bei der Arbeitszeit erlauben einen massiven Einfluss auf die beschriebenen Probleme. Man muss sie halt nur konsequent auch im künstlerischen Bereich anwenden. Davor schrecken immer noch viele Betriebsräte zurück, obwohl die gesamte Rechtsprechung bis rauf zum Bundesarbeitsgericht auf ihrer Seite ist.

    Es ist also dringend anzuraten, dass auch Ensemblemitglieder den Mut finden, in den Betriebsrat zu gehen, um dort wirksam für Verbesserungen ihrer Gruppe zu sorgen. Zumindest sollten sie ihren Betriebsrat ermutigen und unterstützen, und eben nicht wieder bashen, wenn der wieder mal mit sowas komischem wie dem Arbeitsrecht vermeintlich die Kunst einschränkt. Wer gedankenlos über jedes noch so kleine Killerphrasen-Stöckchen (hingehalten nicht nur von Intendanz, Regisseur, Geschäftsführer oder Abteilungsleiter, sondern auch von den eigenen KollegInnen) springt, verliert am Ende die Lizenz zum Motzen.

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