Spardebatten gehen in völlig falsche Richtung!

Der aktuelle Kommentar von JOHANNES MARIA SCHATZ zu Spardiskussionen in Hagen, Pforzheim, Rostock, Weimar, und, und, und…

Ich kann all die Diskussionen um Kürzungen in der deutschen Theaterlandschaft nicht mehr hören! Mal wird ganz generell und pauschal gesagt, dass wir den Gürtel enger schnallen müssten, mal wird unreflektiert der Sport gegen die Kultur ausgespielt, und wieder ein anderes mal lesen wir wenig intelligente Statistiken mit wie viel Steuergeldern angeblich eine Theaterkarte „subventioniert“ werde. Das alles ist völliger Blödsinn und lenkt auch – bewusst oder unbewusst – die Diskussion in eine völlig falsche Richtung!

Die harmloseren Politiker heben in ihren Sonntagsreden gerne den immateriellen Wert der Kultur hervor, stimmen aber dann doch in ihren Ratsbeschlüssen für eine Kürzung der Kulturausgaben. Die bösartigen sprechen – bar jeder Vernunft – von den Champagner-Etagen an Theaterhäusern, als ob es nicht schon längst Jugendtheater, Theaterpädagogen, oder Kooperationen mit anderen Institutionen gäbe und sich – Gott sei Dank – weit mehr Nicht-Champagnertrinker und (Unter-)Durchschnittsverdiener in die Aufführungen und Vorstellungen „verirren“, als man gerne zugeben möchte.

Unabhängig davon, dass die deutschen Steuereinnahmen gemessen an unserer Wirtschaftsleistung noch nie so hoch wie derzeit waren und Deutschland zudem von der guten Beschäftigungslage profitiert, ist es einfach falsch zu behaupten, dass Kultur den Steuerzahler etwas kostet! Ich weiß nicht, wieso all die Möchtegern-Experten in den Stadträten und Kulturausschüssen standhaft ignorieren, dass mehrere unabhängige Studien schon längst das genaue Gegenteil erwiesen haben: Kultur ist ein Wirtschaftsfaktor und bringt mehr Geld in die Kassen als deren Investitionssumme! Damit sind allen Kürzungsdebatten eigentlich die Grundlage entzogen. Dennoch werden sie tagtäglich landauf, landab noch immer geführt. Das dumme Gerede von angeblichen „Theatersubventionierungen“, die die Stadtkassen belasten würden, wird dadurch aber nicht richtiger!

Ich nenne nur zwei der aktuellsten Beispiele: 2014 erschien eine Studie der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig zur Umwegrentabilität der kulturellen Eigenbetriebe. Klares Ergebnis: Das Schauspiel Leipzig erwirtschaftet im optimistischen Szenario bspw. ein Ergebnis von 25,1 Millionen Euro, dem ein städtischer Zuschuss von 14,4 Millionen Euro gegenüber steht. Selbst unter pessimistischen Annahmen werden noch 14,7 Millionen Euro eingenommen.

Das neuste Forschungsergebnis haben wir 2015 von der HHL Leipzig School of Management, die ebenfalls eine Studie zu Umwegrentabilität und wirtschaftlichem Mehrwert, diesmal des Gewandhauses für die Stadt Leipzig vorgestellt hat. Das Ergebnis ist – welch Überraschung! – natürlich auch positiv. Die Forschungsarbeit zeigt, dass jeder in das Konzertgebäude investierte Euro der Stadt quantitativ messbar 2,50 EUR einbringt.

Diese Studien zeigen also eines ganz deutlich: Auch unter rein wirtschaftlichen Aspekten rechnet sich Kultur. Etwas anderes zu behaupten, ist entweder fahrlässiges Nichtwissen oder aber vorsätzliche Lüge.

Natürlich definiert sich Kultur nicht allein über einen rein monetären „Return of Invest“. Aber wir KünstlerInnen dürfen die Wertschöpfung unserer kulturellen Tätigkeit in der Region auch nicht verstecken! Kultur trägt zu einer hohen Lebens- und Freizeitqualität bei. Sie lockt neue Bürger, Touristen und Investoren in die Stadt. Die würden ausbleiben, gäbe es unsere Arbeit nicht. Förderung von Kultur ist also keine Belastung der Kassen, sie bringt den Ländern und Kommunen im Gegenteil Geld ein. Punkt, aus, Ende!

Wer etwas Anderes behauptet, hat entweder von der Materie keine Ahnung, oder er betreibt als Totengräber der Kultur ganz andere Ziele. Wie sagte Friedrich Schiller in etwa doch gleich: Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit. Nur durch sie können wir zur Freiheit gelangen.“

Johannes Maria Schatz

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